Effizienz und Effektivität mal anders betrachtet und was hat Gamification damit zu tun!?

Spiel und Business – Zwei Begriffe, bei denen wahrscheinlich die wenigsten von uns Gemeinsamkeiten vermuten würden. Dass das Business am Ende doch eine ganze Menge vom „Spiel“ lernen und warum wir von Kindern so viel über Führungsprinzipien erfahren können, möchten wir euch mit diesem Artikel zeigen. 


 Jeder von uns mag Spiele – vielleicht aber nicht jeder die Gleichen! Der eine zockt gerne „Super Mario Kart“ auf seiner Konsole. Der andere freut sich schon montags auf seine Skatrunde am nächsten Wochenende. Ein ganz Anderer verbringt mit seinen Geschwistern unzählige Spielstunden „Die Siedler von Catan“... Jeder kennt das Phänomen, so in ein Spiel vertieft zu sein, dass plötzlich viele Stunden vergangen sind. In der Glücksforschung spricht man hier von einem „Flow“.  
Nun, alles schön und gut, doch wo kommt jetzt das Business ins Spiel? 
 
Gamification – Die Integration von spielerischen Elementen in die Arbeit mit der Absicht (intrinsische) Motivation zu steigern! 
 
Die Arbeit mit dem Spielerischen zu verbinden bzw. spielerische Elemente in die Arbeit zu integrieren, ist letztendlich darauf ausgerichtet diesen „Flow“ auch im Arbeitskontext zu erreichen. Erst kürzlich haben zahlreiche Studien gezeigt: Ein Arbeitsumfeld, in dem intrinsische Motivation gefördert wird, wird immer mehr zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil! 
 
Wir sind alle Weltentdecker! 
 
Der „Explorative Faktor“ ist wohl eines der wesentlichen Elemente – oder einfacher ausgedrückt: Im Spiel sind wir häufig Entdecker (und wollen es auch sein)! Am folgenden Beispiel lässt sich dies noch besser verdeutlichen, nämlich bei spielenden Kindern im Sandkasten – dem Klassiker schlechthin! Was zeichnet „Spielen im Sand“ denn aus? Hier bauen sich Kinder neue Welten, bilden Häuser oder Schlösser, verbinden diese mit Straßen, Brücken und Flüsse und kreieren so ganze Städte. Was passiert denn nun, wenn dasselbe Kind zwei Tage später wieder in einen Sandkasten geht? Wird es die gleiche Stadt nochmal bauen? Wahrscheinlich nicht. Es wird eine neue Welt erschaffen, womöglich auch etwas ganz anderes, wie z.B. einen Zoo oder einen Jahrmarkt. Dies ist kein Zufall, denn es steckt in der Natur des Menschen, dass wir deutlich motivierter sind, unbekannte Welten zu erforschen und neue Ideen zu entwickeln, als die Dinge immer wieder gleich zu tun. Natürlich könnte man dem Kind nun sagen, es solle die Stadt wieder und wieder aufbauen. Wahrscheinlich würde es sogar „besser“ darin werden und die Häuser bspw. stabiler bilden, doch die Motivation würde auf Dauer sinken. Ein „Flow“ kann dabei nicht entstehen. Wir sind nun mal Entdecker (und keine reinen Optimierer)! 
 
Effektivität versus Effizienz 
 
Jetzt sind wir genau an dem Punkt, wo die Begriffe „Effektivität“ und „Effizienz” ins Spiel kommen. Das beschriebene Entdecken von neuen Ideen, Welten, Aspekten steht genau im Zusammenhang mit der „Effektivität“. Im Arbeitskontext begegnen wir dieser häufig im Kontext der Innovation oder Entwicklung.  
 
„Effizienz“ auf der anderen Seite stellt die Welt der Optimierung dar. Nicht nur das Ziel ist klar, sondern auch der Weg. Dabei geht es einfach nur darum, die feststehenden Schritte schnell und kostengünstig durchzuführen. Ein Beispiel aus der Praxis könnte ein Call Center sein, wo Bestellungen aufgenommen und weiterverbarbeitet werden. Die einzelnen Schritte im Kundengespräch (z.B. Abfrage von Produkt, Anzahl, Liederadresse, Zahlungsmittel etc.) sind klar.  
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind hier Mitarbeiter, die explorativ (erforschend, erkundend) veranlagt sind, überhaupt nicht sinnvoll und somit eher wirkungsschwach eingesetzt. Denn ein Bestellprozess wurde schon millionenfach durchlaufen und der beste Weg daher bereits gefunden. Wenn sich jetzt jeder an diesen Ablauf hält, spart das Unternehmen am meisten Zeit und letztendlich auch Geld – richtig? 
 
Effiziente Prozesse führen häufig zu Ineffizienz!  
 
In der Gamification gibt es hierzu eine steile These. Nüchtern betrachtet finden nämlich die meisten Leser im vorherigen Beispiel keinen Grund, sich in einem Call Center aus Mitarbeitersicht überhaupt mit effektiven Fragestellungen zu beschäftigen. Also warum sollte ein Mitarbeiter selbst herausfinden, welche Fragen zu stellen oder welche Informationen wichtig sind, wenn es doch einen erprobten Prozess dafür gibt?  
Die Antwort liegt in der Motivation! Das Problem ist die Folge der ständig repetitiven Arbeit, die zur sinkenden Motivation beiträgt. Aus der Gamification können wir lernen, je länger wir mit wiederholenden Fragestellungen („effiziente Anteile“) zu tun haben und dabei keine Möglichkeit besteht, auch neue Aspekte zu entdecken („effektive Anteile“), desto wahrscheinlicher ist es, dass unsere (intrinsische) Motivation immer weiter sinkt. Ein „Flow“ ist hier praktisch unmöglich. Ein weiterer fast schon paradoxer Zusammenhang: Durch die sinkende Motivation wird der vermeintlich effizent gestaltete Prozess immer uneffizienter! Die Lösung aus dem Dilemma gibt es zum Glück bereits: Die Effektivität. 
 
Mit Effektivität zu mehr Effizienz! 
 
Schaffen wir es im Arbeitsalltag unserer Call Center Mitarbeiter „Entdecker Elemente“ einzubinden, so kommt automatisch der Motivationsfaktor von selbst zurück. Dies können relativ simple Dinge sein, wie z.B. eigene Gestaltungsfreiheiten in der Kundenkommunikation oder das Ausprobieren neuer Fragetechniken im Gespräch.  
Viele Manager mögen genau hier kritisieren, dass die kurzfristige Folge dessen doch mehr Zeitaufwand sei, da nicht jede neue Idee nur Gutes mit sich bringt und der bestehende Prozess ohnehin bereits gut funktioniere. Dies mag einerseits stimmen, jedoch liegt andererseits die spannende Antwort in der Langzeitperspektive. Durch die wiedergewonnene explorative Arbeit kann langfristig die intrinsische Motivation des Mitarbeiters wieder ansteigen. Gerade wenn dabei selbstständig entdeckt werden kann, dass vordefinierte (klassische) Prozesse für einzelne Bearbeitungsschritte vielleicht doch die einfachere Lösung darstellen, werden über kurz oder lang auch effizient gestaltete Vorgaben wiedergewählt - jetzt allerdings freiwillig und mit deutlich mehr Commitment! Die wiedergewonnene Motivation ist außerdem langfristig wirkungsvoller als der kurzfristig entstandene „Effizienzverlust“. 
 
Was können wir nun aus diesem Artikel in unseren eigenen Alltag mitnehmen?  
 
Um motiviert zu sein und auch zu bleiben brauchen wir Alle ausreichend Gelegenheiten, bei denen wir uns selbst ausprobieren und neue Dinge erkunden können. Zudem sind spielerische Elemente nicht nur in Bereichen von Bedeutung, in denen Innovation und komplexe Fragestellungen eine zentrale Rolle spielen. Wir können also endlich auch diesen Mythos aus der Welt schaffen! Darüber hinaus hilft die beste Prozessoptimierungen nichts bei unmotivierten Mitarbeitern.  
 
OKR unterstützt, das Entdecker-Gen der Mitarbeiter zurück zu bringen! 
 
Was hat dies nun alles mit OKR zu tun? Ganz einfach: OKR stärkt genau diese Anteile und trägt sie ins gesamte Unternehmen. Durch OKR werden besonders Selbstorganisation und experimentelle Möglichkeiten in jeden Unternehmensbereich gebracht. Und um im Spielerischen zu bleiben: Dann hat doch wohl jeder gewonnen, oder?