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Die größten Fails mit dem Moal (Picture)

Seit nun mehr als einem Jahr ist das Moal (Picture) geboren und hat der Wirksamkeit von vielen OKR Einführungen einen richtigen Schub gegeben. Das Moal Picture ist von einer häufig sehr stiefmütterlich behandelten Ebene zu einem riesigen Treiber für ein lebendiges, wirksames und narratives OKR geworden. Warum das „neue Moal Verständnis“ eigentlich schon das „alte Moal Verständnis“ war und was die schlimmsten Fails im Zusammenhang mit dem Moal sind, darauf gehen wir in diesem Blogartikel ein.

 

Fangen wir erstmal mit einer kurzen Definition des Moal Pictures und der drei Kriterien an:

Das MOAL Picture ist das Zielbild der Kundenwelt in einem Jahr, das beschreibt, wie die (Kunden-)Welt aussieht, um der Vision maximal nahe zu kommen.

Damit beschreibt ein Moal Picture immer eine Situation oder ein Bild einer zukünftigen Realität. Streng genommen dürfen dementsprechend nur Bestandteile in ein Moal Picture, die ich auch wirklich  in einer möglichen Zukunft sehen kann.

Das Moal Picture hat als zentralen Bestandteil immer einen Akteur oder eine Akteurin, wobei wichtig ist, dass dieser nie das Unternehmen selbst ist, sondern immer der Kunde. Es kann aber, groß gedacht, natürlich auch die Gesellschaft oder ein Teil der Gesellschaft sein.

Als letztes Kriterium muss eben dieser Akteur oder diese Akteurin eine eigene Veränderung (eigene Transformation) zu einer für ihn oder sie besseren Welt erlebt haben. Im Sinne eines wirklichen narrativen Zielbildes sollte das Moal Picture nie den Status Quo, sondern immer die Erzählung einer / der Zukunft sein.

So war das „früher“ eigentlich auch gemeint!

Wie zu Beginn dargestellt, waren die klassischen Moals (früher in der Mehrzahl benannt) im Kern nicht anders. Die frühen Moals stellten in ihrem Verständnis mehrere Perspektiven eines holistischen Zielbildes dar. Damit waren zwar äußerlich mehrere Moals zu sehen, die aber nie einzeln, sondern immer in ihrer Gesamtheit als ein Zielbild zu verstehen waren.

Leider hat dies in mancher Organisation zu einem Verständnis von Moals (und damit OKR) geführt, dass der Wirksamkeit extrem geschadet hat.

Hier folgen nun die größten Missverständnisse und damit Fails im Zusammenhang mit dem Moal:

 

Strikte Kopplung von Moal an Scrum / SAFe Artefakte

Unternehmen, die neben OKR auch Scrum oder SAFe im Einsatz haben, besitzen häufig den Wunsch beide Frameworks miteinander zu koppeln. Dies hat beispielsweise in mancher Organisation dazu geführt, dass mehrere Moal(s) direkt Epics zugeordnet wurden oder (noch schlimmer) zu jedem Epic genau ein Moal formuliert werden musste. Wie die genaue Ausprägung auch immer aussieht, spielt an dieser Stelle gar keine Rolle, was wichtig ist: OKR gehört niemals mit anderen Frameworks strikt, sondern immer lose gekoppelt (siehe unten).

Die Folgen dieser Interpretation sind verheerend!

Outcome Orientierung geht verloren!

Kopple ich OKR an die Projekt- oder Produktmanagement Ebene, geht die Outcome Orientierung meist komplett verloren. Moal und eventuell sogar Objectives und Key Results werden direkt mit Produktinkrementen in Verbindung gebracht. Meist ist die Reihenfolge sogar so, dass das Backlog im Scrum oder SAFe schon vorhanden ist und jetzt für einzelne Artefakte (z.B. Epics) passende Moal als vermeintliche Outcome Perspektive gesucht. Dies kann nur scheitern, da so OKR zu einem Nebensatz von Epic oder User Story Formulierungen werden. Mitarbeiter werden in der Folge widerspiegeln, dass OKR doch komplett redundant sei und doch sowieso klar ist, was denn in nächster Zeit getan werden sollte. Bei dieser Interpretation hätten sie damit auch leider gar nicht so unrecht…

Die Lösung: Lose Kopplung!

Dabei sollte die Lösung klar sein, wenn man als Beispiel einfach in das OKR Framework reinschaut. Jedes Element im OKR ist „lose gekoppelt“ zueinander. Das bedeutet: natürlich beeinflussen sich Ebenen, geben sich Orientierung, gehen in Resonanz zueinander und vieles mehr! Aber dies sollte nie in einer strikten Aneinanderreihung enden. Agile Frameworks leben von ihrer Leichtgewichtigkeit, also lasst uns sie nicht wegnehmen. Frei nach dem Motto: „Don’t try to scale agile, descale your organization”.

 

Moal(s) als Ersatz der alten „Strategie Prio Liste“

Das Moal Picture stellt als Zielbild einen Fokus dar. Fokus erreiche ich nicht über irgendeine Regel, sondern immer über das Prinzip „Fokus“. Das bedeutet, ich formuliere ein Zielbild und hinterfrage mich in jeder Sekunde, ob wir mit genau diesem Bild wirklich einen Fokus kreieren. Wie oben schon beschrieben, ist dies eigentlich keine Neuerung, sondern schon genau in dieser Form in der klassischen Form der Moals vertreten. Das Prinzip der Fokussierung galt immer für das gesamte holistische Zielbild und nie nur für einzelne Moals (die es damals noch gab).

In den Geschichten der größten Fails ist dies, ihr ahnt es schon, nicht passiert. In vielen Moals wurden alle möglichen strategischen Themen verarbeitet. Der Fokus wurde versucht über eine Regel zu „retten“ (z.B. max. drei Moals). Kam dann die Einschränkung auf nur wenige Moals, wurde einfach versucht, diese Moals so groß zu formulieren, dass am Ende doch alles inkludiert ist und Fokus überhaupt nicht geschaffen wurde.

Damit ist diese Horrorstory aber noch nicht zu Ende.  In manchen OKR Interpretationen, wie wir sie hier mal nennen, wurden dann zusätzliche Events, wie ein (bitte Namen sofort vergessen) „Moals Prio Planning“ geschaffen.  Hier wurde sich getroffen, um die Moals Liste (natürlich auch sofort vergessen) zu priorisieren und verzweifelt irgendwie doch noch einen Fokus herzustellen.

Unabhängig davon, dass über Priorisierung nie ein Fokus geschaffen wird, da Fokus erst beginnt, wenn wir "Nein" zu etwas sagen, ist dies einerseits ein gigantischer prozessualer Mehraufwand, der mit dem richtigen Verständnis vom Moal Picutre gar nicht notwendig wäre und andererseits geht der Blickwinkel vollkommen weg von der eigentlichen Vision. Es wird über einzelne Themen geredet, diese miteinander verglichen, Stakeholder kämpfen für "ihre Themen" und und und... 

Dabei könnte es doch so einfach sein...

Zusammengefasst schafft der "Immunapparat" hier ein OKR Verständnis, was letztlich in den meisten Fällen genau das abbildet, wie man in der Vergangenheit mit strategischen Themen umgegangen ist, also letztlich den Status Quo. Dabei ist es im Grunde genommen ganz einfach! 

Denke ich in einem Zielbild, dann...:

  1. wird nie über einzelne Themen, sondern immer über eine Kundenrealität gesprochen
  2. wird Fokus über das Prinzip und nicht über Regeln geschaffen
  3. werden Silos aufgebrochen, da das Bild im Gesamten kreiert wird und nicht über die Sammlung von Themen

Dies waren die vielleicht größten Fails, denen wir in der Praxis oft begegnen. Natürlich aber auch leider noch weitere Varianten von missverstandenen Moal und OKR da draußen. Wir hoffen, wir konnten mit diesem Artikel ein wenig Klarheit schaffen und unseren Beitrag leisten, dass OKR nicht nur eine Überschrift über Ziele ist, sondern eine wirksame Veränderung in die gewünschte Richtung bringt!