OKR als Alternative zu MbO in KPI getriebenen Unternehmen – geht das überhaupt?

In den letzten Monaten bekommen wir vermehrt Anfragen aus Unternehmen, die sehr KPI getrieben sind, ob OKR hier überhaupt möglich ist. Dies veranlasst uns dazu, einige Gedankengänge und Möglichkeiten mit euch zu teilen.


Was sind KPI getriebene Unternehmen?

Es gibt Organisationen, welche aufgrund bestimmter Rahmenbedingungen bereits seit Jahren stark auf Kennzahlen vor allem finanzieller Art schauen müssen (z.B. wenn ein großer Konzern eine Mehrheit der Anteile am Unternehmen hält; es sich um eine AG handelt, die regelmäßig Finanzkennzahlen veröffentlichen muss; oder wenn VCs bestimmte Interessen vertreten). KPI sind Key Performance Indicators, also Leistungskennzahlen, anhand welcher seit Jahren der Erfolg oder die Leistung vieler Unternehmen gemessen wird. Das bekannteste Beispiel für einen KPI ist wohl der Umsatz, es gibt aber unzählige viele andere KPI.

Interessant ist bei KPI jedoch, dass diese immer in die Vergangenheit blicken, sprich, zu dem Zeitpunkt, zu dem wir sie messen können, liegen alle Aktionen, die zu dieser Kennzahl geführt haben, bereits zurück und wir können sie nicht mehr ändern.
Unseren Umsatz aus dem Jahr 2016 konnten wir beispielsweise erst am 31.12.2016 um 24 Uhr mit letzter Sicherheit messen. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir aber nichts mehr tun, um den Umsatz 2016 zu beeinflussen oder ändern.

Was ist nun der Unterschied zwischen KPI und OKR?

Wie wir bereits festgestellt haben, sind KPI Kennzahlen, welche jedes Jahr gemessen werden und immer gültig sind. Des Weiteren liegen sie zum Zeitpunkt ihrer Messung oder Feststellung in der Vergangenheit. KPI sind jedoch aufgrund ihrer Relevanz für unterschiedlichste Interessenten von großer Bedeutung und gelten als sehr kritische Metriken.

OKR sind keine KPI! Bei den Kennzahlen, welche in den Key Results stehen, handelt es sich um solche, die für eine kurze Periode (zum Beispiel für einen Zeitraum von drei Monaten) im Fokus stehen und dabei helfen sollen, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Sie haben einen innovativen Charakter, wollen also etwas Bestehendes in eine bestimmte Richtung verändern oder erneuern. OKR sind strategischer Natur, beinhalten also auch nicht das Tagesgeschäft, welches sowieso tagtäglich in Angriff genommen werden muss. Deshalb wäre es auch kein gutes Key Result, X € mehr Umsatz zu generieren. Viel besser wäre eine Kennzahl, welche wir jetzt und heute direkt beeinflussen können, die in die Zukunft schaut und uns sagt, dass wir damit wahrscheinlich einmal mehr Umsatz erreichen werden. 

Natürlich können auch Unternehmen, welche von Natur aus sehr KPI getrieben sind, OKR wunderbar nutzen, um den strategischen Masterplan umzusetzen. Wichtig ist nur, dass darauf geachtet wird, die KPI aus den OKR rauszuhalten

Möglichkeit 1: Visionsgetriebene OKR

In Unternehmen, welche keinen starken finalen jährlichen Fokus auf KPI legen müssen, bietet sich an, OKR als das zu sehen, was am Ende des Weges steht – die große Vision.
Auf dem Weg zur Erreichung der OKR müssen jedoch einige Rahmenbedingungen eingehalten werden, ähnlich wie die Markierungen im Riesenslalom müssen die Mitarbeiter sich an den KPI als Wegpfeiler orientieren. Wenn wir also unsere OKR erreichen möchten, müssen wir uns in einem gewissen Rahmen bewegen und an einige Beschränkungen halten. Dadurch wird ausgeschlossen, dass beispielsweise zur Erreichung eines Key Results “x neue Abonnenten bei Twitter” ein Marketingbudget von 10 Mrd. € eingesetzt wird. Dies würde nämlich den Rahmen, den unsere KPI uns setzen (einen bestimmten Umsatz und Gewinn erwirtschaften) sprengen.
Die OKR dienen aber in diesem Szenario nicht dazu, ein ultimatives Ziel der KPI zu erreichen.

Möglichkeit 2: Zielgetriebene OKR

In Organisationen, die sich wie oben beschrieben stark an KPI orientieren, eignet es sich sehr gut, OKR als Weg zu sehen, um das Ziel der KPI zu erreichen. In diesem Falle sind die jährlichen KPI in Bezug auf Umsatz- oder Kundenzahlen das Ziel, welches wir im Auge behalten müssen. Mehrere OKR, welche wir uns mehrmals im Jahr setzen, können als der Weg gesehen werden, der uns zu unserem Ziel (KPI: X € Umsatz) führt. Über mehrere strategische und innovative OKR Zyklen wird also wahrscheinlich unser Umsatz am Ende des Jahres gesteigert werden.
In diesem Szenario bietet es sich auch an, die KPI ebenso wie die OKR visuell darzustellen. Beispielsweise könnte man neben oder unter der OKR-Liste eine Liste der wichtigsten Health Metrics anlegen.

Fazit: Es ist sehr gut möglich, OKR auch in KPI-starken Unternehmen einzusetzen, solange darauf geachtet wird, KPI und Key Results nicht miteinander zu vermischen. Somit behalten beide Kennzahlen-Typen ihre Daseinsberechtigung: Die KPI als immer gültige kritische Kennzahlen, die ultimativ erreicht werden müssen. Und die OKR als kurzzeitig wichtige innovative Ziele, welche sich mehrmals im Jahr neu fokussieren und den Weg zu den KPI bereiten können, indem sie eine Möglichkeit bieten, Strategie umzusetzen.