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OKR und das unendliche Spiel

Wer als Unternehmen bestehen will, muss sich im Klaren darüber sein, welche Art von Spiel er spielt. Managementberater Simon Sinek präsentiert in seinem neuen Buch „Das unendliche Spiel“ die Idee, dass es endliche Spiele und unendliche Spiele gibt. Für beide gelten völlig unterschiedliche Regeln, und es ist unmöglich, ein unendliches Spiel mit den Regeln zu gewinnen, die für endliche Spiele gelten.

Tatsächlich spielen die meisten Unternehmen endliche Spiele.

Endliche Spiele sind zum Beispiel Fußball oder aber auch „Marktführer werden“. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass es einen definierten Anfang und ein festgelegtes Ende gibt. Die Regeln und das Spielfeld sind klar, und „Schiedsrichter“ überwachen die Einhaltung der Regeln. Jedem ist klar, was zu tun ist, um das Spiel zu gewinnen, wie etwa beim Fußball: Wer mehr Tore als der Gegner schießt, gewinnt das Spiel. Orientiere ich mich zum Beispiel an meiner Konkurrenz, um besser als diese zu sein, spiele ich ebenfalls das endliche Spiel.

Bei unendlichen Spielen ist dies anders: Sie werden von bekannten und unbekannten Spielern gespielt. Es gibt keine genauen oder vereinbarten Regeln. Wie jeder Spieler spielt, bleibt komplett ihm überlassen. Jeder Spieler kann jederzeit seine Spielweise komplett ändern. Die Spiele laufen ohne zeitliche Begrenzung. Es gibt keine Ziellinie, keinen Schlusspfiff und auch keinen Zeitablauf.

Die Wirtschaft entspricht per Definition einem unendlichen Spiel. Dabei sind nicht immer alle Spieler bekannt und es können jederzeit neue hinzukommen. Sämtliche Spieler bestimmen ihre Strategien und Taktiken selbst. Es gibt kein festes Reglement, zu dem sich alle bekennen – abgesehen vom jeweils geltenden Recht (und selbst das kann sich von Land zu Land unterscheiden). Anders als bei einem endlichen Spiel gibt es keinen von vornherein festgelegtem Anfang, keine Mitte und kein Ende der Wirtschaft.

Wenn Du daher in ein unendliches Spiel gehst, dies aber mit einer Einstellung und inneren Haltung machst, die für ein endliches Spiel vorgesehen ist, wirst Du zwangsläufig scheitern!

Daher ist es auch nicht möglich, ein unendliches Spiel zu gewinnen. Die Hauptaufgabe besteht darin, möglichst lang im Spiel zu bleiben. Die Wirtschaft, Politik und das Leben überhaupt sind solch unendliche Spiele.

Unendliche Spiele erfordern eine eigene, besondere Haltung. Diese Haltung enthält die folgenden Punkte, die sich jede Führungskraft aneignen muss:

  • Tritt für eine „gerechte Sache“ (engl. just cause) ein.
  • Baue vertrauensvolle Teams auf.
  • Behalte ernstzunehmende Konkurrenten im Blick.
  • Stelle Dich auf existenzielle Flexibilität ein.
  • Beweise Mut zur Führung.

In einem endlichen Spiel geht es um den Sieg. Selbst wenn wir in der Hoffnung antreten, gut zu spielen und Spaß zu haben, spielen wir nicht, um zu verlieren. In einem unendlichen Spiel ist die Motivation eine ganz andere: Ziel ist nicht zu gewinnen, sondern (möglichst lange) im Spiel zu bleiben. Es geht darum, etwas voranzubringen, das größer ist als wir selbst oder unsere Organisation. Und jede Führungskraft, die im unendlichen Spiel an der Spitze mitmischen möchte, muss ein eindeutiges würdiges Anliegen – die gerechte Sache - haben.

Tritt für eine gerechte Sache ein

Eine gerechte Sache ist eine konkrete Vision einer Zukunft, die noch nicht eingetreten ist, aber so reizvoll, dass Menschen bereit sind, Opfer zu bringen, um sie umzusetzen. Die Opfer, die wir bringen müssen, gefallen uns nicht immer, doch wir finden, dass es die gerechte Sache wert ist.

Was aber zeichnet eine gerechte Sache aus? Eine gerechte Sache muss:

  • positiv sein: Bestätigung und Zuversicht vermitteln.
  • inklusiv sein: aufgeschlossen für alle, die dazu beitragen möchten.
  • serviceorientiert sein: hauptsächlich anderen nützen.
  • resilient sein: politischen, technischen und kulturellen Wandel überdauern.
  • idealistisch sein: ehrgeizig, kühn und letztlich unerreichbar.

Unsere gerechte Sache ist beispielsweise die Folgende:

die.agilen unterstützen und begleiten Menschen auf ihrem Weg zu neuen Formen für Arbeit und Wirtschaft. Wir gestalten eine - für alle erfüllende und erfolgreiche - Arbeitswelt, in der auf Augenhöhe und mit Wertschätzung agiert wird. Unsere Leidenschaft gilt der ganzheitlichen Agilität und im Speziellen OKR (Objectives & Key Results).

OKR und das unendliche Spiel

OKR nun kann als endliches Spiel im unendlichen Spiel gesehen werden. Alles beginnt bei den Moals (Midterm Goals), welche eine Vision für 1 Jahr darstellen und damit die "Übersetzung" des unendlichen Spiels in das endliche Spiel einleiten. Hat man weder eine gerechte Sache, noch Moals, so bleibt dem OKR allerdings nichts anderes übrig, als sich am endlichen Spiel zu orientieren und damit endet man zwangsläufig bei Outputs, Features oder sogar Todos - niemals allerdings bei Outcomes (Ergebnissen), die sich am Kunden orientieren.

Um also gute und wirksame OKR zu fomulieren, ist es essentiell, sich um den orientierenden Rahmen Gedanken zu machen und weniger um Formulierungen oder Kriterien für Objectives & Key Results. Hat man eine gute und starke gerechte Sache formuliert, fällt es einem Unternehmen deutlich leichter, Moals daraus abzuleiten. Und sind diese erst einmal formuliert, so entstehen daraus gute Objectives & Key Results - nahezu von alleine. Natürlich vorausgesetzt, man lebt den OKR-Prozess systemisch und kulturell adäquat.

Wie gehts nun weiter?

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