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Impact first denken - und warum OKR genau dafür gemacht ist

Veröffentlicht am
26.3.2026

Viele Organisationen arbeiten hart.

Viele liefern Output.

Viele erreichen sogar ihre Ziele.

Und trotzdem scheitern sie.

Warum?

Weil sie nicht auf Impact, sondern auf Aktivität optimieren.

Das Buch Impact-first Product Teams von Matt LeMay zeigt, dass viele Organisationen fälschlicherweise Output (Features, Releases) mit echter Wirkung verwechseln und dadurch scheinbaren Fortschritt erzeugen. Stattdessen fordert LeMay, Arbeit konsequent an der erzielten Wirkung beim Kunden auszurichten - also an echten Verhaltensänderungen und nicht an gelieferten Artefakten. Diese Logik entspricht exakt der Outcome-Orientierung von OKR, bei der Erfolg über messbare Veränderungen beim Kunden definiert wird und nicht über Aktivitäten  . Damit liefert das Buch eine wichtige theoretische Grundlage für moderne Produktarbeit, während OKR den strukturierten Rahmen bietet, um diese Wirkungsorientierung systematisch im Unternehmen umzusetzen.

Gleichzeitig macht LeMay deutlich, dass dieser Shift nicht nur ein Methodenwechsel ist, sondern ein tiefgreifender kultureller Wandel hin zu mehr Verantwortung für echte Ergebnisse. Genau hier entfaltet OKR seine Stärke, indem es Teams befähigt, Wirkung iterativ zu lernen, statt vermeintliche Lösungen nur abzuarbeiten.

1. Das Grundproblem: Output ist nicht gleich Wirkung

LeMay beschreibt eine der zentralen Fehlannahmen moderner Organisationen:

Teams werden für Output verantwortlich gemacht - nicht für Impact.

Typischer Aufbau:

  • Produktteams liefern Output (Features, Projekte)
  • daraus entstehen Outcomes (Verhaltensänderungen)
  • daraus entsteht Impact (Business-Erfolg)

In vielen Organisationen endet Verantwortung jedoch beim Output  

Das führt zu einem strukturellen Problem:

->Niemand fühlt sich wirklich für den Unternehmenserfolg verantwortlich

Wie OKR das unterstützt

OKR zwingt zur Unterscheidung:

  • Objective = angestrebte Wirkung
  • Key Results = messbare Veränderungen

Dadurch wird der Fokus verschoben:

-> weg von „Was haben wir gebaut?“

-> hin zu „Was hat sich verändert?“

Das entspricht exakt der wissenschaftlich fundierten Wirkungskette (Output → Outcome → Impact), wie sie auch in der Wirkungsforschung etabliert ist.

2. Impact als Ausgangspunkt - nicht als Ergebnis

Ein zentrales Konzept im Buch:

Erfolgreiche Teams denken vom Impact rückwärts

Nicht:

  • „Was können wir bauen?“

sondern:

  • „Welchen Beitrag zum Geschäftserfolg wollen wir leisten?“

LeMay zeigt, dass Impact häufig auf Managementebene „geparkt“ wird - während Teams nur operative Ziele verfolgen.

Das ist gefährlich.

Denn:

Ohne Impact-Bezug verlieren Teams Orientierung

Wie OKR das unterstützt

OKR verankert genau diese Logik strukturell:

  • Vision & Purpose → langfristiger Impact
  • Moal (Midterm Goal) → mittelfristiger Impact
  • OKR → kurzfristige Beiträge dazu

Dadurch entsteht:

-> eine durchgängige Wirkungskette über alle Ebenen hinweg

Das verhindert lokale Optimierung ohne Gesamtwirkung.

3. Die „Low Impact Death Spiral“

Ein besonders eindrückliches Konzept im Buch:

Die „Low Impact Death Spiral“.

Diese beschreibt Organisationen, die:

  • viele Dinge tun
  • viel Output produzieren
  • aber wenig Wirkung erzielen

Typische Symptome:

  • zu viele Ziele
  • fehlender Fokus
  • starke Abhängigkeiten
  • viel Abstimmung, wenig Wirkung

Wie OKR das unterstützt

OKR wirkt hier auf mehreren Ebenen:

1. Fokus

  • wenige Objectives
  • wenige Key Results

-> reduziert Komplexität

2. Transparenz

  • klare Zielbilder
  • gemeinsame Ausrichtung

-> reduziert Abstimmungsaufwand

3. Selbstorganisation

  • Teams wählen Lösungswege selbst

-> reduziert Abhängigkeiten

Damit adressiert OKR exakt die Ursachen der „Death Spiral“.

4. Ziele ohne Wirkung: Das OKR-Paradox im Buch

LeMay beschreibt ein reales Beispiel:

Ein Team definiert OKRs, erreicht sie - aber kann nicht sagen, ob sie zum Unternehmensziel beitragen.

Zitat sinngemäß:

-> „Ich weiß nicht, ob unsere Key Results helfen, das Jahresziel zu erreichen.“

Das ist ein zentrales Paradox:

-> Ziele werden erreicht - aber Wirkung bleibt unklar

Wie OKR das unterstützt (wenn richtig angewendet)

OKR löst dieses Problem nur unter einer Bedingung:

-> Key Results müssen echte Wirkungsindikatoren sein

Nicht:

  • Anzahl Features
  • Anzahl Releases

Sondern:

  • Nutzerverhalten
  • Kundenreaktionen
  • Businessmetriken

Dann entsteht:

-> direkte Verbindung zwischen täglicher Arbeit und strategischem Ziel

5. Outcomes als Hebel der Wirkung

Ein zentrales Konzept im Buch:

-> Outcomes sind die steuerbare Ebene

Warum?

  • Impact ist oft verzögert
  • Output ist zu trivial

Outcomes hingegen:

-> sind beobachtbare Verhaltensänderungen

Beispiel:

  • Output: Feature gebaut
  • Outcome: Nutzer verwenden Feature
  • Impact: Umsatz steigt

Wie OKR das unterstützt

OKR operationalisiert genau diese Logik:

  • Key Results messen Outcomes
  • nicht Outputs

Das wird auch in der OKR-Literatur klar gefordert:

->Kundenzentrierung ist zwingend notwendig  

Damit wird OKR zu einem:

-> Steuerungssystem für Verhaltensänderung

6. Impact-first bedeutet: Hypothesen statt Pläne

LeMay zeigt:

-> In komplexen Systemen funktionieren keine linearen Pläne

Stattdessen:

  • Annahmen treffen
  • Experimente durchführen
  • lernen und anpassen

Ein Beispiel im Buch:

Teams arbeiten mit Experimenten statt festen Releases.

Wie OKR das unterstützt

OKR ist inhärent iterativ:

  • kurze Zyklen
  • regelmäßige Reviews
  • Anpassung der Maßnahmen

Das entspricht exakt:

-> dem wissenschaftlichen Prinzip des empirischen Lernens (ähnlich Lean Startup, Build-Measure-Learn)

7. Priorisierung über Impact

Ein weiterer zentraler Gedanke:

-> Priorisierung muss sich am Impact orientieren

Nicht an:

  • Aufwand
  • politischer Bedeutung
  • Hierarchie

Im Buch werden Frameworks wie RICE (reach, impact, certainty, and effort) erwähnt. OKRs machen RICE im Grunde überflüssig, weil gut formulierte OKRs bereits implizit dieselbe Priorisierungslogik erzwingen: Ein klar definiertes Key Result mit messbarem Zielbeitrag (Impact über Outcome), realistischem Zeithorizont (Effort) und einer ambitionierten, aber erreichbaren Schwelle (Reach & Confidence) enthält dieselben Dimensionen - nur kontextuell eingebettet statt als separate Scoring-Übung. Wer OKRs konsequent nutzt, priorisiert ohnehin nur Initiativen, die direkt auf ein Key Result einzahlen, womit RICE zur redundanten Bürokratie wird: Der OKR-Fit ist der Score.

Wie OKR das unterstützt

OKR ersetzt klassische Priorisierung durch:

-> Fokussierung auf wenige Ziele mit maximaler Wirkung

Das bedeutet:

  • nicht alles wird gemacht
  • sondern nur das, was zum Objective beiträgt

Das reduziert:

-> kognitive Last

-> Kontextwechsel

-> Ineffizienz

8. Verantwortung neu denken

Ein zentraler Paradigmenwechsel im Buch:

-> Teams müssen Verantwortung für Impact übernehmen

Nicht nur für Output.

Denn:

„Am Ende hängt der Erfolg eines Teams immer am Geschäftserfolg“

Wie OKR das unterstützt

OKR schafft genau diese Verantwortungsverschiebung:

  • Teams definieren ihre OKRs selbst
  • Teams verantworten deren Erreichung

Dadurch entsteht:

Ownership statt Abarbeitung

Das ist konsistent mit Motivationstheorien (Deci & Ryan - Selbstbestimmungstheorie).

9. Der zentrale Mechanismus: Rückwärtsdenken vom Ziel

Ein starkes Bild aus dem Buch:

Ein Team visualisiert:

  • aktueller Stand
  • Zielzustand

Und stellt die Frage:

-> „Wie kommen wir von hier nach dort?“

Wie OKR das unterstützt

OKR zwingt genau dieses Denken:

  • Objectives definieren Zielzustände
  • Key Results definieren Fortschritt

Dadurch entsteht:

-> kontinuierliches Backward Thinking

Ein zentrales Element strategischer Arbeit.

10. Fazit: Impact-first ist kein Trend - sondern Notwendigkeit

Das Buch zeigt klar:

-> Organisationen scheitern nicht an fehlender Aktivität

-> sondern an fehlender Wirkung

Die Lösung:

  • Impact klar definieren
  • Outcomes steuern
  • Output flexibel halten

Und genau hier setzt OKR an

OKR ist kein Zielsystem im klassischen Sinne.

Es ist:

-> ein Framework zur Steuerung von Wirkung unter Unsicherheit

Es verbindet:

  • strategische Klarheit
  • operative Flexibilität
  • empirisches Lernen

Die wichtigste Erkenntnis

Wenn man das Buch konsequent zu Ende denkt, bleibt eine zentrale Einsicht:

-> Arbeit ist nur dann sinnvoll, wenn sie Wirkung erzeugt.

Und:

-> Wirkung entsteht nicht durch Planung - sondern durch Lernen.

OKR ist genau dafür gemacht.

Kritik: Starke Ideen - mit blinden Flecken

Das Buch liefert extrem wertvolle Impulse:

Die 3 wichtigsten Impulse

  • Fokus auf Impact statt Output:
    Organisationen müssen Erfolg über tatsächliche Verhaltensänderungen beim Kunden definieren, da nur Outcomes und Impact nachweislich mit Unternehmenserfolg korrelieren (vgl. Wirkungslogik: Output → Outcome → Impact; Rossi et al., 2018).
  • Rückwärtsdenken vom Ziel (Impact-first):
    Wirksame Produktarbeit beginnt mit dem gewünschten Geschäftsergebnis und leitet daraus Maßnahmen ab, was konsistent mit strategischen Ansätzen wie Backward Planning und Goal-Setting Theory ist (Locke & Latham, 2002).
  • Arbeiten in Hypothesen und Experimenten:
    In komplexen Systemen entsteht Wirkung nur durch iteratives Lernen, nicht durch Planung, was durch Forschung zu komplexen adaptiven Systemen und Lean-Startup-Prinzipien gestützt wird (Ries, 2011; Snowden & Boone, 2007).

Die 3 größten Kritikpunkte

  • Unklare Trennung zwischen Outcome und Impact:
    Das Buch bleibt konzeptionell unscharf, obwohl die Differenzierung entscheidend ist, um Ursache-Wirkungs-Beziehungen valide zu messen (vgl. Wirkungsforschung, OECD, 2021).
  • Fehlende systemtheoretische Fundierung:
    Die Rolle von Organisationen als komplexe soziale Systeme wird nicht ausreichend berücksichtigt, wodurch zentrale Dynamiken wie Selbstreferenz und Nicht-Linearität unterbelichtet bleiben (Luhmann, 1997).
  • Unterschätzung organisationaler Realität:
    Kulturelle, politische und strukturelle Barrieren werden zu wenig adressiert, obwohl Transformation hin zu Outcome-Verantwortung empirisch als hochgradig schwierig gilt (Kotter, 1996; Beer & Nohria, 2000).

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