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Lesefutter Juni 2020

Diesmal dabei: "Heute schon einen Prozess optimiert?" (Gunter Dueck) und "Einführung in die systemische Organisationstheorie" (Fritz B. Simon)


Heute schon einen Prozess optimiert? Das Management frisst seine Mitarbeiter - Gunter Dueck

 

Die deutsche Wirtschaft klammert sich an die Prozessoptimierung, statt Innovation zu wagen. 

Stell dir die Digitalisierung wie eine Sintflut vor. Die Flutwelle ist längst angerollt und wird die Welt für immer verändern. Was sollten wir da deiner Meinung nach bauen, Deiche oder Schiffe? Deiche stemmen sich wie eine Wand gegen den Wandel, um alles Bisherige zu schützen. Schiffe hingegen nutzen die Kraft des Wassers, um auf Kurs zu bleiben. 

Fakt ist: Deutschland baut eher Deiche statt Schiffe.

Die Mehrheit der Politiker und Unternehmer in Deutschland setzt nicht auf Innovation, sondern auf Effizienzsteigerung. Sie will Menschen und Kosten einsparen, wo es nur geht. „Made in Germany“ stand bis weit ins 20. Jahrhundert hinein für Qualität, doch seit über dreißig Jahren liegt der Fokus auf der Prozessoptimierung: darauf, schneller und billiger zu produzieren. Automatisierung, Robotisierung und Outsourcing sind die Schlagworte der deutschen Wirtschaft.

Alle reden vom Menschen 4.0. Der sei kreativ, selbstverantwortlich und eigeninitiativ - aber in Wirklichkeit werden wir hart dressiert und im Tagesgeschäft von Prozessorientierung und Dauerkontrollen gequält. Die Großsysteme haben die Menschen roboterisiert. Und dann sollen eben dieselben innovativ und neugierig sein?

Gunter Dueck führt die grausame Unternehmensrealität vor Augen - unbarmherzig scharf, hinreißend nah am Objekt. Die Unternehmen handeln zukunftsfeindlich, wenn sie ihre Mitarbeiter standardisieren und sich - entgegen aller Erfordernisse - eben nicht für die digitale Welt neu erfinden.

Relevanz:  Im Grunde genommen ist das Buch ein Plädoyer für die von uns seit Anfang unser Tätigkeit vertretene Kernhaltung, dass wir für komplexe Probleme auch komplexe Lösungen brauchen - den Mensch als denkendes und motiviertes Wesen. Wenn ich Innovation will (und mittlerweile sogar dringend brauche), dann muss ich im Unternehmen auch Voraussetzungen schaffen, dass Innovation entstehen kann und dies kann nur gelingen, indem man den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Effektivität vor Effizienz, Zusammenarbeit und Kollaboration vor Tools und Prozesse.

 

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Einführung in die systemische Organisationstheorie - Fritz B. Simon

 

Ob Arbeitsagentur, Sportverein oder Handyanbieter – Organisationen bestimmen unser tägliches Leben. Gemessen an den unzähligen Kontakten als Mitglieder oder Kunden wissen wir jedoch wenig über ihre innere Logik und Verhaltensweisen.

Selbst denjenigen, die eine Organisation führen, geht es oft nicht anders. Wer hier seine Erfahrungen mit anderen sozialen Systemen, etwa der Familie, auf den Umgang mit Organisationen überträgt, wird nicht weit kommen. Hier bedarf es einer theoretischen Vorstellung, wie sie diese Einführung liefert.

Fritz B. Simon lenkt den Blick auf den zentralen Punkt der (Wechsel-)Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Organisation und der Organisation als soziale Einheit. Auf der Basis von Systemtheorie und Konstruktivismus vermittelt er ein Grundverständnis für die Funktionslogik von Organisationen. Man lernt so, mit der Eigenlogik von Organisationen zu rechnen, sie zu nutzen oder sich gegebenenfalls vor ihr zu schützen und zielgerichtet zu handeln.

Relevanz: Wer wirklich verstehen will, wie Organisationen im Inneren funktionieren, kommt um die Sytemtheorie (nach Niklas Luhmann) nicht herum. Auch wenn es zahlreiche Bücher  zu diesem Thema gibt, ist dieses Werk ein kleines Juwel. Fritz B. Simon versteht es, die Architektur und die zentralen Begriffe der neueren systemischen Organisationstheorie auch für "Uneingeweihte ohne theoretische Vorkenntnisse" nachvollziehbar darzustellen.
 

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