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Das Moal Picture – Der heimliche Erfolgsfaktor für ein dynamisches OKR 

Die Evolution der Midterm Goals (Moals) zum Erfolgsfaktor für wirksames OKR.


Eine der häufigsten Floskeln bei OKR Einführungen ist sicher der Satz: „So was haben wir eigentlich schon, wir haben es nur nicht OKR genannt“ oder „Eigentlich machen wir das so ähnlich schon“.

Dies zeigt, wie oft OKR leider noch als „alter Wein in neuen Schläuchen“ verstanden wird. Schaut jedoch tiefer in das Framework rein, bemerken wir schnell, wie elementar falsch diese Annahme ist. OKR bildet ein holistisches und vor allem agiles Framework, dass Dynamik nicht nur zulässt, sondern aus ihr wächst. Ganz im Gegensatz zu auf Struktur und Stabilität ausgerichtete klassische (tayloristisch geprägte) Zielsysteme wie z.B. Management by Objectives, Balanced Scorecard oder Hoshin Kanri. 

 

Die Verbindung zur Vision ist der Treibstoff einer gelungenen OKR Einführung 

Die Kernidee der Moals ist schon seit langem ein großer Erfolgsfaktor im OKR. Die Moals sind der Klebstoff zwischen der strategischen, inspirierenden aber häufig noch sehr abstrakten Vision und den meist deutlich operativeren, konkreteren OKR. Damit nehmen die Moals eine fundamentale Rolle ein. Sie sind die Verbindung zur Vision. Ohne diese Ebene fühlen sich OKR und Vision häufig wie zwei Paralleluniversen an. Das eine ist das, was wir in den nächsten drei Monaten machen, und das andere ist das, was uns auf der Weihnachtsfeier in einer tollen Powerpoint vorgestellt wurde. 

Ein Kernelement von OKR, damit intrinsische Motivation entstehen kann, ist jedoch genau das Gefühl zu etwas Großem beitragen zu können. Frei nach Daniel Pink sind Autonomy, Mastery und Purpose die „Building Blocks“ zu einem neuen „Operating System“.  

Damit ist genau diese Verbindung nicht nur die Basis, sondern der Grundtreibstoff einer jeden OKR Einführung. 

 

Klassische Idee von Strategieumsetzung 

Um nun eines der größten Missverständnisse im OKR aufzulösen, kehren wir ein letztes Mal zurück dem Charakter klassischer Zielsysteme. Hier gab es zwar häufig auch eine Vision (wobei selbst diese viel zu häufig gefehlt hat, aber dies ist eine andere Geschichte…), jedoch wurde diese in folgender Weise übersetzt: 

Wir nehmen dieses große Ganze und teilen es zunächst in viele, kleinere Einzelteile auf, häufig „Strategsiche Themen“, „Big Bets“ oder einfach „Fokusthemen“ genannt.  

Jetzt betrachten einzelne Bereiche oder Teams jeweils eins dieser Themen und leiten daraus ihre einzelnen Ziele ab. Häufig begleitet durch viele Abstimmungsprozesse und Kennzahlen leitet sich jetzt ab, woran Mitarbeiter arbeiten.  

Dies ist Grundprinzip klassischer Zielsysteme: Teile etwas Großes in seine Einzelteile, optimiere die einzelnen Teile und setzte es zum Schluss wieder zusammen. 

Die Folgen solch einer Interpretation von „Strategieumsetzung“ sind meist verheerend: 

 

Silodenken und fehlender Bezug zu Vision 

Da jeder Bereich oder jedes Team wieder nur auf sein Thema schaut, findet vertikales Alignment überhaupt nicht statt. Jeder konzentriert sich auf seinen „Ausschnitt“ auf die Wirklichkeit. Synergien werden überhaupt nicht entdeckt, Doppelarbeit entsteht und das Allerschlimmste: das Gefühl, gemeinsam an einer großen Vision zu arbeiten, wird durch dieses längst überholte Prinzip der lokalen Optimierung nahezu komplett zerstört. 

 

Geschwindigkeit und Innovationskraft werden ausgebremst 

Durch die ständige Konzentration auf nur einen Ausschnitt der Vision setze ich Bereichen und Teams im Prinzip imaginäre Scheuklappen auf. Wir schauen nicht mehr nach rechts und links und nehmen uns damit wohl die wichtigste Fähigkeit im digitalen, agilen Zeitalter - die Geschwindigkeit und die Innovationskraft. Innovation benötigt Kreativität und Kreativität benötigt den Blick auf das große Ganze. Das Aufsetzen von Scheuklappen macht uns wieder Zahnräder im Unternehmen und nicht kreative Individuen, die uns mit ihren Ideen begeistern. 

 

Holistische Blick nahezu zerstört 

Ab dem Moment, wir nur noch einzelne Themen betrachten, verlieren wir den holistischen Blick auf unsere Vision. Die wirksamsten Ziele im OKR sind die, die themen- und funktionsübergreifend möglichst viele Aspekte gleichzeitig vorantreiben und unterstützen. Die Frage im OKR sollte die sein: „Wie können wir Thema A am besten unterstützen“ sondern „Wie können wir möglichst viele Aspekte von unserem Zielbild am meisten unterstützen. 

Mit dem richtigen Verständnis von Moals werden diese verheerenden Folgen in die wohl größten Erfolgsfaktoren umgelenkt… 

 

Moals – Die missverstandene Interpretation 

Wir haben das Element der Moals nie als diese klassischen Verständnisse von „Big Bets“ oder „Fokusthemen“ verstanden, die silohaft in die Organisation getragen werden. 

Moals sollten immer kleinere Visionen auf 1 Jahr ausgelegt sein, die uns zeigen, wo wir in einem Jahr stehen wollen, um der Vision um genau dieser zeitlichen Einheit näher gekommen zu sein.  

Noch viel wichtiger ist, was mit den Moals im OKR passiert! Moals sollten in der Folge niemals einzeln betrachtet werden. Moals waren immer als "Multi-Perspektiven" eines Zielbildes in einem Jahr gemeint. In einem komplexen Framework darf ich diese nie separat betrachten, sondern immer als ein holistisches Zielbild.  

In einem OKR Planning sollte aus diesem Grund nie sequentiell zu jedem Moal Objectives gesucht werden oder noch schlimmer nur ein Moal betrachtet werden (weil es halt unser Moal für unseren Bereich ist – arghhh…), sondern immer Ziele gefunden werden, die möglichst viele Moals gleichermaßen adressieren und somit auch maximal wirksam die Vision unterstützen. 

So war die Idee, die wir eigentlich auch ganz cool fanden… 

Leider sind Moals in der Praxis das ein oder andere Mal sehr klassisch interpretiert worden, was genau zu den oben genannten folgen geführt hat. 

Sie wurden doch als einzelne Themen betrachtet, die separat behandelt wurden, Objectives wurden einzelnen Moals zugeordnet, es wurden einfach die „alten“ strategischen Themen genommen und nun als Moals bezeichnet, usw. 

Häufig liegen genau hier die Ursachen, weswegen später OKR eben genau doch als „alter Wein in neuen Schläuchen“ wahrgenommen wird, da die wohl größte Superpower im OKR (Loosely Coupled) verletzt wird. 

 

Moals – Wir dürfen Euch vorstellen: Das Moal Picture! 

Aus all diesen Erfahrungen, die wir gemacht haben, haben wir jetzt das OKR Framework an genau dieser Stelle angepasst und es damit einen Schub verpasst, durch den es fast unmöglich ist, in die klassische Richtung versehentlich abzubiegen. 

Die Moals sind nicht mehr länger einzelne Ziele, sondern ein Zielbild! 

Die Moals (oder das Moal Picture) sollen den Zustand beschreiben, den wir ausgehend von Vision in einem Jahr erreicht haben wollen. Dabei beschreiben sie eine Realität im Sinne eines Bildes (und nicht einzelner Themen).  

Dieses Moals Picture versteht sich als ein holistisches Zielbild, welches zu einem deutlich lebendigeren und wirksameren OKR führt. Hier treten wiederum viele gewünschte Effekte auf, wie die Situation im OKR Planning, bei der stets das gesamt Moals Picture angeschaut wird, dementsprechend bei der Formulierung von Objectives auch stets alle Perspektiven berücksichtigt werden.  

Das Verständnis der Moals als Ziebild ist ein elementarer Schritt auf dem Weg zu dynamischen und wirksamen Objectives und Key Results auf der nächsten Ebene. 

Natürlich kann dieses Bild mehrere Perspektiven haben, dies ist in einem Zukunftsbild auch völlig normal, ich kann es aber nicht mehr „zerschneiden“. Jeder Blick auf eine Perspektive betrachtet auch gleichzeitig den Blick auf das Gesamtbild! 

Die Leitfrage zur Bestimmung der Moals ist immer: 

„Wie sieht die Realität in einem Jahr aus, die uns der Vision genau ein Jahr näherbringt.“ 

Ein Beispiel für ein Moal Picture könnte beispielsweise sein: 

Unsere Kunden sind so begeistert von unseren Produkturen, dass wir sie zu Fans gemacht haben. Dabei hat uns insbesondere unsere neue agile Arbeitsweise geholfen, die unter anderem die Nähe zum Kunden wieder hergestellt hat. 

Natürlich hat dieses Ziebild einzelne Facetten (Kunden zu Fans machen, Agilität in die Organisation bringen, …), der Blick geht jedoch immer auf das gesamte Bild. 

Die Interpretation der Moals als Moal Picture ist sicher einer der größten Veränderungen im OKR Framework in den letzten Jahren, die Erfahrungen zeigen jedoch, dass es Organisationen zu einer ganz neuen Ebene der Wirksamkeit führt und OKR zu einem wirklich agilen, dynamikrobusten Framework macht!